Der Neue fragt es nach der zweiten Probe, und alle schauen sich an:
Was können wir eigentlich?
Irgendjemand fängt an aufzuzählen, jemand anders wirft Stücke ein, die seit einem Jahr keiner mehr angefasst hat, und am Ende hat der Neue eine Liste im Kopf, die nicht stimmt.
Eine Liste reicht nicht
Der naheliegende Gedanke ist, alles aufzuschreiben. Das Problem daran zeigt sich nach einem Jahr: In der Liste stehen dann Stücke, die ihr sicher spielt, neben Stücken, die einmal jemand vorgeschlagen hat, neben Stücken, an denen ihr gerade arbeitet. Alle sehen gleich aus.
Und eine Liste, in der alles gleich aussieht, beantwortet die Frage nicht.
Drei Zustände

- Aktiv — das könnt ihr. Wenn morgen jemand anruft, spielt ihr das.
- In Vorbereitung — daran arbeitet ihr gerade.
- Vorschlag — hat jemand eingebracht, ist noch nicht entschieden.
Mehr Unterscheidung braucht keine Band. Weniger reicht nicht: Ohne „in Vorbereitung" wandert alles sofort ins Repertoire und die Liste lügt. Ohne „Vorschlag" traut sich keiner mehr, etwas einzubringen, weil jeder Vorschlag sofort nach Verpflichtung aussieht.
Die Namen sind übrigens frei änderbar. Eure Band, eure Worte — manche sagen „Sammlung", manche „Ideen", manche „Irgendwann mal".
Was an jedem Song steht

- Tonart — eure, und daneben die des Originals
- Tempo — eure Fassung, nicht die der Platte
- Länge — die Zahl, aus der später die Setlist ihre Spielzeit rechnet
Das sind genau die drei Dinge, nach denen in einer Probe gefragt wird. Alles Weitere — Noten, Aufnahmen, Besetzung, Notizen — liegt eine Ebene tiefer und stört nicht, solange man es nicht braucht.
„Spielen wir das noch?"
Diese Frage beantwortet sich beim Draufschauen, statt in einer Diskussion. Was seit einem Jahr keiner angefasst hat, steht im Archiv und nicht zwischen den Stücken, die ihr wirklich könnt — und wenn ihr es zurückholen wollt, ist es einen Tipp entfernt.
Nichts davon ist Pflicht
Ein Song braucht einen Titel. Sonst nichts. Tonart, Tempo, Länge, Besetzung: alles optional, alles nachtragbar, meistens von der einen Person, die so etwas gern macht. Ein Song ohne Tempo ist kein halber Song — er ist ein Song, bei dem noch niemand das Tempo gebraucht hat.
Zehn Minuten scrollen, und der Neue weiß Bescheid. Ohne dass ihm jemand etwas erklären musste.
Als Nächstes: Wie schnell war das nochmal?