Zwei Wochen vor dem Gig, Setlist auf dem Tisch, und jemand fragt:
Können wir den?
Alle nicken vage. Der eine, bei dem es nicht sitzt, sagt nichts — weil er als Einziger dastünde. Zwei Wochen später steht ihr auf der Bühne und es zeigt sich, dass drei Leute genickt haben, ohne es zu meinen.
Das Problem ist nicht die Ehrlichkeit
Es ist die Reihenfolge. Wer als Erster zugibt, dass ein Stück nicht sitzt, macht sich angreifbar. Das ist keine Charakterschwäche, das ist Gruppendynamik. Und sie sorgt zuverlässig dafür, dass die ehrlichste Antwort die ist, die niemand gibt.
Also fragt gig.ly nicht in der Runde, sondern einzeln.
Fünf Stufen, in Ich-Form

- Noch nichts gemacht
- Reingehört
- Übe dran
- Komme klar
- Sitzt bei mir
Die Formulierung ist Absicht. Nicht „kommt klar", sondern „komme klar" — eine Aussage über dich, nicht über den Song. Das macht einen Unterschied: Über den Song lässt sich streiten, über deinen eigenen Stand nicht.
Und du siehst dabei nicht, was die anderen angeklickt haben. Deshalb sind die Antworten brauchbar.
Danach sieht die Band, wo sie steht

Was die Band bekommt, ist nicht „wer kann was nicht", sondern wo es hakt. Ein Stück, bei dem vier von sechs auf „übe dran" stehen, ist kein Personalproblem — es ist der nächste Punkt auf dem Probenplan.
Ihr diskutiert über Zahlen statt über Gefühle
„Ich finde, wir können den schon" gegen „vier von sechs sind noch nicht durch" — das eine ist eine Meinung, das andere ein Plan. Die zweite Diskussion dauert eine Minute und endet mit einer Entscheidung.
Und weil niemand namentlich dasteht, kann man das Stück rausnehmen, ohne dass sich jemand rechtfertigen muss.
Wann gefragt wird
Nicht ständig. Der Dialog kommt, wenn es tatsächlich etwas zu bewerten gibt — neue Stücke, Stücke, die lange lagen, Stücke vor einem Termin. Und „Später" ist eine vollwertige Antwort: Sie merkt sich, dass du gefragt wurdest, und fragt in derselben Sitzung nicht nochmal.
Was daraus folgt
Die Übe-Liste sortiert sich nach dem, was hakt und was ansteht. Das ist der eigentliche Nutzen der Bewertung: Sie ist keine Statistik, sondern der Grund, warum du nicht überlegen musst, was du üben sollst.
Zwei Wochen vor dem Gig: „Den lassen wir raus." Entschieden in einer Minute, ohne dass jemand sich erklären musste.
Als Nächstes: Muss ich das üben?