Es ist immer derselbe Moment. Die Probe ist vorbei, du wickelst ein Kabel auf, und dir fällt ein: Die Noten für den Gig hast du noch nicht rausgesucht.
Du hast beide Hände voll. Bis der Koffer zu ist, hat jemand eine Frage. Auf dem Parkplatz redest du noch zehn Minuten. Und zu Hause, wenn du endlich das Handy in der Hand hättest — da ist der Gedanke weg.
Das ist kein Disziplinproblem. Das ist eine Frage von drei Sekunden, die im falschen Moment kommen.
Wo das Mikro sitzt
Oben rechts, zwischen Glocke und Profilbild. Auf jeder Seite, immer an derselben Stelle — damit du nie überlegen musst, wo du gerade bist.

Dass es gelb ist, ist kein Zufall. Gelb ist in gig.ly durchgehend die Farbe für das, was dir persönlich gehört — deine offenen Punkte, deine Notizen, dein Draht zu Roady.
So geht's

1. Gedrückt halten und sprechen. Nicht antippen — halten, wie bei einer Sprachnachricht. Solange der Finger liegt, wird aufgenommen; das Mikro färbt sich rot.

2. Beim Loslassen entscheiden — mit dem Daumen. Unter dem Mikro erscheint eine kleine Schiene mit zwei Enden und einer Mulde. Wohin du ziehst, bevor du loslässt, entscheidet, was mit dem Gesagten passiert:
- Nach rechts, „Roady" — der Satz geht an Roady, er soll etwas daraus machen.
- Nach links, „Notiz" — der Satz bleibt eine reine Notiz für dich. Auch dann, wenn zufällig das Wort „Roady" darin vorkommt.
- Einfach loslassen — oben im Header gibt es kein Textfeld, in das der Text fallen könnte. Deshalb geht er direkt an Roady; dafür ist der gelbe Knopf da.

3. Verquatscht? Weg damit. Zieh den Finger vom Knopf weg, in die Mulde mit dem Papierkorb. Der Punkt wandert sichtbar hinein und wird rot. Beim Loslassen ist die Aufnahme weg — nichts gesendet, nichts gespeichert, nicht einmal die Texterkennung läuft an.

4. Und dann kommt die Antwort zu dir. Kein Chat, den man erst öffnen muss: Unter dem Header erscheint, was verstanden wurde — und gleich darunter Roadys Vorschlag.
Im Beispiel oben war der gesprochene Satz „Ich kümmere mich um die Noten für den Gig." Was zurückkommt, ist kein fertiger Eintrag, sondern eine Karte: Neue Aufgabe: Noten für den Gig besorgen — mit Bestätigen und Ablehnen.

Im Chat funktioniert es anders — mit Absicht
Im Chat sitzt das Mikro klein und unaufdringlich in der Eingabezeile, unten rechts im Textfeld. Die Gesten sind dieselben, aber der Standardfall ist ein anderer:
Einfach halten und loslassen füllt nur das Textfeld. Nichts wird abgeschickt. Du liest drüber, änderst ein Wort, drückst selbst auf Senden — als hättest du getippt, nur schneller. Wer sofort abschicken will, wischt: links als normale Nachricht, rechts an Roady.

Der Unterschied ist kein Zufall. Im Chat hast du ein Feld, in dem ein Text warten kann — also darf er dort warten. Im Header hast du keins, also wäre eine Zwischenstufe nur eine Frage ohne Antwortmöglichkeit.
Aus demselben Grund gibt es das Mikro ein drittes Mal, im Übe-Modus bei deinen persönlichen Song-Notizen — dort allerdings ohne die Wisch-Achse. Bei einer privaten Notiz steht das Ziel schon fest; eine Wahl zwischen „Notiz" und „Roady" wäre eine Frage, deren Antwort feststeht. Es bleibt Aufnehmen und Verwerfen. Das Diktat wird an die bestehende Notiz angehängt und sofort gespeichert — beim Üben spricht man Gedanken nacheinander ein, da soll man nicht zwischendurch irgendwo hinklicken müssen.
Was das praktisch ändert
Zurück zum Kabel. Du hältst das Mikro, sagst „Ich kümmere mich um die Noten für den Gig", lässt nach rechts los und packst weiter. Bevor der Koffer zu ist, steht die Aufgabe da — mit deinem Namen dran, sichtbar für die Band.
Niemand musste ein Projekt auswählen, ein Fälligkeitsdatum setzen oder eine Spalte finden. Und niemand muss dich in zwei Wochen fragen, ob du noch dran denkst.
Warum Gespräche und Aufgaben in gig.ly überhaupt am Song und am Termin hängen statt in Projekten, steht im Beitrag davor: Ich will keine Projektmanagement-App.