Über gig.ly

Kannst du dem mal alles schicken?

Der Drummer fällt aus, drei Tage vor dem Gig. Jemand springt ein. Und dann kommt der Satz, den in jeder Band dieselbe Person hört:

Kannst du dem mal alles schicken?

Was „alles schicken" in Wirklichkeit bedeutet

Ein Link auf die Dropbox mit den Sheets. Ein zweiter Ordner mit den Mixdowns, weil die woanders liegen. Dann die Nachfrage, welche der drei Dateien mit demselben Songtitel die aktuelle ist. Dann die Erklärung, dass ihr das Stück einen Ton tiefer spielt. Dann die Frage, ob es davon eine Aufnahme gibt — gibt es, aber nur als Sprachnachricht in einem Chat von vor sieben Monaten.

Das ist kein Ordnungsproblem. Das ist eine Struktur, in der Material und Kontext getrennt liegen. Die Datei sagt nicht, zu welchem Song sie gehört, in welcher Fassung, für wen sie relevant ist. Also muss ein Mensch das jedes Mal dazusagen.

Wir haben das in zehn Jahren in verschiedenen Konstellationen immer wieder durch. Der Aufwand ist nie groß genug, um ihn zu lösen, und nie klein genug, um ihn nicht zu merken.

Was gig.ly daran ändert

Es liegt nichts neben dem Song. Es liegt am Song.

Und weil die Besetzung am Song hängt, sieht die Vertretung nicht das ganze Repertoire, sondern die Stücke, in denen sie vorkommt. Vier statt vierzig.

Warum das mehr ist als Bequemlichkeit

Es verschiebt, wer arbeiten muss. Vorher konnte sich niemand selbst einarbeiten — es ging nur mit einer Person, die alles weiß und Zeit hat. Danach kann es jeder allein, und die Person, die alles weiß, muss nichts tun.

Das gilt nicht nur für Vertretungen. Es gilt für jeden, der neu dazukommt, für jeden, der nach einer Pause zurückkommt, und für dich selbst in vier Monaten, wenn ihr das Stück wieder rausholt.

Und der Nebeneffekt

Es gibt keine zweite Ablage mehr. Keine Dropbox, deren Link jemand suchen muss, keinen Ordner, den nur einer pflegt, keine Datei, von der niemand weiß, ob sie noch stimmt. Alles an einem Platz — und dieselbe App, in der ihr sowieso schreibt.